Die Klimadebatte hat längst religiöse Züge angenommen und ist langfristig eine Gefahr für Umweltschutzbemühungen.
Inzwischen ist sogar in Meldungen von Nachrichtenagenturen, die normalerweise um neutrale Formulierungen bemüht sind, vermehrt von „Klimaleugnern“ die Rede. Wer an den Klimawandel glaubt, wäre dann konsequenterweise ein „Klimagläubiger“. Die Frage nach dem Klimawandel und der globalen Erwärmung ist aber nicht eine Frage des Glaubens sondern der Wissenschaft. Diese wiederum ist ein Zusammenspiel von Modellen, Annahmen, Thesen, Anti-Thesen, Wahrscheinlichkeiten und empirischen Messdaten. Eine absolute, zeitlich unveränderbare Wahrheit gibt es dort nicht. Wer behauptet, die Zukunft des Klimas mit Sicherheit voraussagen zu können, ist kein seriöser Wissenschaftler. Wer Skeptiker zu „Leugnern“ stempelt, macht Propaganda.
Abgesehen davon, dass das Wort „Klimaleugner“ impliziert, dass diese die Existenz eines Klimas überhaupt in Abrede stellen, was natürlich absurd ist, geht bei der ganzen Debatte eines vergessen, nämlich, dass die Menschheit unabhängig von einer allfälligen globalen Erwärmung gut beraten ist, das Verbrennen von fossilen Brennstoffen auf ein Minimum zu beschränken. Erstens weil diese knapp sind und zweitens, weil es selbst Skeptikern einer globalen Klimaerwärmung einleuchtet, dass Unmengen von CO2, die während Millionen von Jahren gebunden wurden und nun innerhalb von wenigen Jahren freigesetzt werden, ein ökologisches Ungleichgewicht verursachen. Vor allem, wenn gleichzeitig grosse Teile des Regenwalds, der eigentlichen Lunge unseres Planeten, welche grosse Mengen von CO2 wieder in Sauerstoff umwandeln könnte, abgeholzt werden.
Mit der Fokussierung auf die Klimaerwärmung, die zudem nicht mehr in Frage gestellt werden darf, geht auch vergessen, dass bei jedem Verbrennungsprozess auch andere Schadstoffe in die Umwelt gelangen, die unmittelbar schädlich auf den Menschen wirken. Smog, Ozon, Feinstaub, Stickstoff etc. sind unabhängig von der Klimaerwärmung ein Problem.
Wir laufen Gefahr, ähnlich wie beim Waldsterben, dass, wenn in den nächsten 10, 20 Jahren keine spürbare globale Erwärmung zu Tage tritt, sämtliche Umweltschutzbemühungen für Jahre danach einen äusserst schweren Stand haben werden.
Zudem laufen wir Gefahr, ebenfalls relevante Umweltprobleme, wie die Abfallproblematik (Bsp. Unmengen von Plastik im Meer, chemische und radioaktive Abfälle), Überfischung, die absehbare Wasserknappheit, aber auch andere globale Probleme wie Hunger und medizinische Versorgung der dritten Welt, zu vernachlässigen. Ein Auswuchs dieser Konstellation ist zum Beispiel, dass Kernkraftwerke neuerdings als umweltfreundlich gelten, weil sie eine relativ gute CO2-Bilanz haben.
Ein (Entwicklungshilfe-)Dollar kann nur einmal ausgegeben werden. Momentan stehen alle Weltverbesserungs-Debatten im Zeichen der Klimaerwärmung. Von Hunger, Abfall oder Wassermangel spricht fast niemand mehr. Hinter der Forschung zur Klimaerwärmung, aber auch bei der Umsetzung der zu treffenden Massnahmen steckt inzwischen eine riesige Industrie, es gibt dabei viel Geld zu verdienen. Dass hier die Unabhängigkeit der Wissenschaftlerinnen und NGOs in Frage gestellt wird, ist evident. Dieser nötige Diskurs kann aber nicht gestartet werden, weil Kritiker sofort in die Ecke der „Klimaleugner“ gestellt werden. Damit steht der Skeptiker der Klimaerwärmung auf gleicher Stufe wie ein „Holocaust-Leugner“, viel effektiver kann man Kritiker nicht neutralisieren.
Als Beispiel, wie mit dem Klimaschutz Geld verdient werden kann, soll hier ein Beispiel dienen, das mir kürzlich ein bekannter Schweizer Bankmanager erzählt hat. Es gibt in den USA eine Firma, die zum Spotpreis einige hundert Hektaren Regenwald gekauft hat, mit der einzigen Auflage, diesen unberührt zu lassen. So weit so gut. Nun verdient diese Firma aber Millionen, in dem sie diesen Regenwald zu einem zigfachen Preis weiterverkauft, an Länder, die CO2 kompensieren wollen oder an Privatpersonen, die „etwas Gutes fürs Klima“ tun wollen.
Das soll nicht heissen, dass sämtliche Klimaschutzbemühungen schlecht sind, im Gegenteil, jede echte Reduktion von CO2 und jede Einschränkung des Verbrennens von fossilen Brennstoffen ist absolut sinnvoll. Um dies effizient zu erreichen, bräuchte man auch gar nicht die Welt neu zu erfinden, eine genügend hohe, globale Lenkungsabgabe auf CO2 würde reichen.
Die Kritik richtet sich hingegen gegen die Entsachlichung der Debatte um die Klimaerwärmung, die Diffamierung von Skeptikern, die als „Leugner“ gebrandmarkt werden und gegen die zunehmende Konzentration von Umweltschutzbemühungen und Entwicklungshilfegeldern auf den Klimaschutz. Falls der Klimawandel nicht, später oder anders, als prophezeit, eintritt, und diese Wahrscheinlichkeit besteht, werden die Wissenschaft, die Medien und die Politik einen massiven Reputationsschaden davontragen – und sämtliche Umweltschutzbemühungen der Zukunft werden für längere Zeit ins Leere laufen.
February 3rd, 2010 by Jan Flueckiger